Digitales Mammographie-Screening besitzt hohe Programmsensitivität

Wir analysierten im deutschen Mammographie-Screening-Programm den Einfluss der Brustdichte auf die sogenannte Programmsensitivität. Bei 25.576 Screening-Mammographien wurde von den unabhängigen Doppelbefundern die Brustdichte visuell eingeschätzt.

Nach der Klassifikation des American College of Radiology (ACR; 4. Auflage) wird die Brustdichte in vier Stufen eingeteilt:

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Mit Hilfe des Landeskrebsregisters Nordrhein-Westfalen berechneten wir die Sensitivität des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms. Unter dieser Programmsensitivität versteht man den Anteil der Brustkrebserkrankungen, den man durch die Mammographie-Untersuchung zum Screeningzeitpunkt entdeckt, bezogen auf diese und alle zusätzlichen Brustkrebserkrankungen, die in den folgenden zwei Lebensjahren der jeweiligen Frau auftreten. Mit berücksichtigt sind also auch alle Karzinome bei Screening-Teilnehmerinnen, die in der 2-jährigen Zeitspanne nach deren Screening-Teilnahme diagnostiziert werden.

Die Programmsensitivität wurde in Bezug gesetzt zur Brustdichte-Einschätzung des Erstbefunders, des Zweitbefunders und zur jeweils höchsten Brustdichteeinschätzung jeder einzelnen untersuchten Frau.

Neue Erkenntnisse

Das digitale Mammographie-Screening mit unabhängiger Doppelbefundung besitzt eine hohe Programmsensitivität bezogen auf alle untersuchten Frauen. Sie lag über alle Brustdichten bei 79,9 %. Anders ausgedrückt: Bei 4 von 5 Teilnehmerinnen, die innerhalb von 2 Jahren erkranken, wird durch die Screening-Mammographie die Erkrankung entdeckt.

Im digitalen Mammographie-Screening ist extrem dichtes Drüsenparenchym (ACR 4) selten (<7 %). Bei diesen wenigen Frauen ist die Programmsensitivität auf 50 % reduziert, die sich von allen anderen Brustdichten – auch der Gruppe ACR 3 – signifikant unterscheidet. Die Programmsensitivität ist bei ACR 3 mit 73 %-81 % signifikant höher als bei ACR 4.

Aus diesem Grunde erscheint die häufige Vermischung der Kategorie ACR 3 und 4 als „dichte Brust“ nicht korrekt. Diese beiden Kategorien sollten aufgrund ihrer unterschiedlichen Ergebnisse getrennt betrachtet werden. Das digitale Mammographie-Screening stellt demnach bei ACR 3 eine verlässliche Früherkennungsmaßnahme für Brustkrebs dar.

Welche Zusatzuntersuchungen sind bei ACR 4 sinnvoll?

Für die Untergruppe von weniger als 10 % aller Screening-Teilnehmerinnen mit extrem dichten Drüsengewebe (ACR 4) stellt sich die wissenschaftliche Frage, welche additive Früherkennungsuntersuchung praktikabel, qualifiziert und effektiv umsetzbar ist. Weltweit ist diese Frage wissenschaftlich bisher nicht evidenzbasiert geklärt.

In Deutschland sind zur Beantwortung dieser Frage Studien zum Einsatz der digitalen Tomosynthese sowie des Ultraschalls beantragt. Zum ergänzenden Einsatz der Ultraschalls läuft zudem in Italien bereits eine prospektive Studie (J Clin Oncol. 2016 Mar 9. [Epub ahead of print]).

Quelle:
Digital mammography screening: sensitivity of the programme dependent on breast density.
Weigel S, Heindel W, Heidrich J, Hense HW, Heidinger O.
Eur Radiol. 2016 Nov 7. [Epub ahead of print] DOI 10.1007/s00330-016-4636-4

 

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